Tagebuch Piemont 2011
13.06.2011 Innerhalb einer Dreiviertelstunde treffen wir nach 17:00 Uhr beim Camping „la Catta e il Volpe“ in Campertogno ein. Gere kommt vom Skitourenwochenende, Dani, Oschi und ich direkt von zu Hause. Die Begrüssung ist sehr herzlich. Alberto und Antonella erwähnen, wie übrigens später auch Hilde von der „Igel Bar“ und der freundliche Herr von „La Trüna,“, dass wir letztes Jahr nicht gekommen seien. Man hat uns vermisst – wir sind offenbar nicht einfach 0815 Gäste!
Die Pfingstwelle ist weg und es hat angenehm Platz auf dem Camping. Für Wohnmobile und Autos gibt es neu nummerierte Stellplätze auf der oberen Wiese anstelle der früheren unten bei den Bäumen, vermutlich weil Eddy Line die Zufahrt über sein Territorium nicht mehr erlaubt. Damit zu den neuen Plätzen gefahren werden kann, hat Alberto die altbekannten Sanitärcontainer jetzt in eine Reihe gestellt. Per Ständerplakat kündet er den baldigen Bau einer neuen Sanitäranlage an – wir werden sehen.
Der Wasserstand der Sesia liegt, allen im Tirol geäusserten Unkenrufen zum Trotz, im grünen Bereich. Gere hätte vielleicht noch etwas mehr gewünscht. Weil bei meinem Eintreffen in Campertogno gerade ein Regenschauer niederging und ich mein Zelt lieber später trocken aufstellen wollte, habe ich rasch oberhalb Mollia einen Blick in den Bach geworfen und dabei festgestellt, dass in Mollia ein neues Ristorante geöffnet wurde. Spontan beschliessen wir, da in Campertogno montags alles geschlossen ist, dort das Nachtessen einzunehmen. Wir sind allein in einem grossen Saal. Der Kellner gibt sich sehr freundlich und engagiert . Unsere Stimmung ist sehr gut und erwartungsvoll. Ein Besuch bei Hilde in der „Igel Bar“ sorgt schliesslich für die richtige Bettschwere.
14.06.2011 Das Morgenessen und den Kaffee bei Antonella nehmen wir bei Sonnenschein ein. Es hat genug, da sowohl Gere wie auch Oschi eingekauft haben.
Dani will auf seine „Prinzessinnenstrecke“. Ich verstehe nicht ganz, wieso dieses anspruchsvolle Stück partout immer am ersten Tag gefahren werden muss, bringe die Jungen aber nach Otra Sesia und steige, mit Rücksicht auf meine in den letzten Tagen etwas reduzierte Gesundheit, erst unterhalb Mollia ein. In der hackeligen Schnelle unterhalb des Pools nach dem Katarakt von Mollia lässt Gere einmal mehr seine Klasse aufblitzen, die übrigen ziehen es vor zu tragen. Es ist herrlich wieder auf dem blauen, klaren Wasser der Sesia zu sitzen! Die Passage oberhalb der Brücke von Campertogno geniesse ich besonders. Wir ziehen durch bis unterhalb des Campings. Mein tiefer gelegter Pure S hält auch unter den harten Bedingungen des Piemont, was die Testfahrten in Hüningen versprochen haben.
Gere und Dani gehen vor dem Feierabendbier bei Anto noch eine Runde Klettern.
Wir essen bei Alberto im „La catta e il volpe“ und schliessen den schönen Tag in der „Igel Bar“ ab, Piemont eben!
15.06.2011 Den Capuchio bei Anto geniessen wir wieder bei Sonnenschein. Gere’s Handy sagt jedoch für die kommenden Tage schlechtes Wetter voraus, was mir überhaupt nicht in den Kram passen will.
Die „Trüna“ ist heute geschlossen. Das Zuviel vom Vortag bewahrt uns jedoch vor dem Hungern. So haben auch Doppelspurigkeiten im Nachhinein ihr Gutes!
Wir fahren auf die untere Sermenza. Diese hat wenig Wasser – das Kraftwerk von Fervento scheint leider kaum etwas abzulassen. Der Salto unterhalb Boccioleto wird von allen genossen. Bei den übrigen markanten Stellen sind die Durchfahrten mit kaum überspülten Blöcken verlegt und rumpeln ziemlich. Die Pools dazwischen sind smaragdfarben, klar, unergründlich tief und fast unrealistisch schön. Kurz nach dem Salto fahre ich eine Stufe, die mir schon immer Probleme bereitet hat, durch die Zeichen der Vorfahrer verwirrt, falsch an, bleibe stecken und werde umgeworfen. Bei so wenig Wasser eine schmerzhafte Sache!
Da am Albergo Zanoli (= Marco) ein Zettel „Ristorante Chiuso“ hängt, essen wir wieder bei Alberto. Die „Igel Bar“ ist jetzt auch bis Ende Woche ferienhalber geschlossen, Piemont mit kleinen Abstrichen!
16.06.2011 Trotz den Prognosen von Gere’s Handy geniessen wir das Morgenessen und den „Capuchio“ wieder bei Sonnenschein.
Heute ist das Stück von Campertogno bis Scopello auf dem Programm. Unser Piemontneuling Oschi wird von den beiden Wildwassergurus dazu verknurrt, als Guide zu amten. Er löst die Aufgabe recht gut. Ich versuche ihm vor den entscheidenden Stellen noch die wichtigsten Informationen zuzuflüstern. Das perlend klare Wasser der Sesia erfreut mich bei jedem Paddelschlag. Das Zirkeln über den Fall von Piode lassen heute alle weg. Am Schluss schüttelt der Wadenbeisser oberhalb der Brücke von Scopello Dani und Gere ziemlich durch. Oschi und ich tragen.
Am Abend zieht ein kurzes Gewitter durch. Anschliessend ist es aber wieder trocken.
Da der Zettel „Ristorante chiuso“ an der Türe des Albergo Zanoli nicht entfernt wurde, bleiben wir Alberto treu.
17.06.2011 Noch immer scheint beim Morgenessen die Sonne! Es hat zwar den Bergen entlang etwas mehr Wolken, aber Sonne ist Sonne, liebe Wetterpropheten!
Wir paddeln von Balmuccia nach Varallo. Ich steige erst beim Raftstart ein. Oschi macht nach dem Entscheid, den Eingang zum „Little Canada“ doch nicht zu fahren, die übliche Ochsentour (die ich vor Jahren auch einmal selbst praktiziert habe) – zuerst den Versuch über die hohe Kiesbank rechts zu umtragen – das geht nicht! – Das Ganze zurück – übersetzen an das linke Ufer und tragen bis zum Rafteinstieg. Auf dem restlichen Flussstück gibt es ein paar Längen zwischen den einzelnen, markanten Kiesbankschwällen, aber sonst erleben wir nochmals einen schönen Paddeltag. Kurz vor dem Ausstieg beginnt es leicht zu regnen.
In Varallo gönnen wir uns das schon während der Fahrt ersehnte, traditionelle „Panino Big Speck“.
Auch den Schlussabend geniessen wir bei Alberto in Gesellschaft von Arneis und Nebbiolo.
18.06.2011 In der Nacht hat Dauerregen eingesetzt. Wir packen unsere Sachen im strömenden Regen zusammen und machen uns auf die Heimreise. Die Erinnerung an einmal mehr tolle Piemonttage lasse ich mir dadurch aber sicher nicht verderben. Beim Abschied macht Alberto deutlich, dass er uns nächstes Jahr gerne wieder sehen würde.
Im Nachhinein denke ich nur, ob wir uns nicht doch hätten die Zeit nehmen sollen, wenigstens einmal bei Marco Zanoli vorbeizuschauen.
Fredi Moor
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