Tirol Auffahrt 2011 Drucken
Geschrieben von: Peter Iff   
Freitag, den 22. Juli 2011 um 08:32 Uhr
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Der Kanu Club Murgenthal war schon seit einigen Jahren nicht mehr ins Tirol gereist. Über das verlängerte Auffahrt-Wochenende stattete eine Gruppe Paddler dem Ötztal wieder einmal einen Besuch ab.
Dani, Geri, Marc, Oschi und ich reisten bereits am Mittwochabend an, um die freien Tage möglichst optimal zu nutzen. Nachdem Oschi und ich auf dem Campingplatz in Umhausen eingetroffen waren, gingen wir noch auf ein Gut-Nacht-Bier in die nahegelegene Pizzeria Del Piero, wo bereits Dani, Geri und Marc auf uns warteten. Etwa um Mitternacht hiess es schnell das Zelt aufzustellen und etwas zu schlafen um am Morgen fit für den ersten Fluss zu sein.
Wir entschieden uns am Donnerstag die Untere Ötz zu befahren – ein Flussabschnitt im oberen mittleren Schwierigkeitsgrad (Wildwasser 3-4). Wie die meisten, hatte auch ich zwei Boote mit dabei, eines mit etwas mehr Volumen für technisch schwierigere Flüsse und ein kurzes mit weniger Volumen, mit dem man auch ein bisschen herumspielen kann.
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Meine Kollegen fuhren alle mit dem kurzen Spielboot. Ich war etwas übermütig und hatte mich ebenfalls für das kurze Boot entschieden, obwohl ich das erste Mal zum Paddeln im Tirol war und die Flüsse nur von den Beschreibungen her kannte. Als wir auf dem Wasser waren, ging es am Anfang gleich mit einer schönen leicht wuchtigen Schwallstrecke los, bis zu einer Brücke, wo dann die erste anspruchsvolle Stelle kommt – ein kleiner Katarakt. Dort musste ich für meinen Übermut büssen, es ging unter der Brücke eine schöne Welle hinunter, die nach links zog. Geri fuhr mir die Linie schön vor. Die Anfahrt habe ich auch noch gut erwischt. Als es dann aber die nächste Welle wieder rauf ging, habe ich irgendetwas „rumgekaspert“. Wahrscheinlich war ich zu nervös. Jedenfalls war ich im nächsten Moment kopfunter. Nun kam die im Hallenbad vom Wintertraining hart erlernte Eskimorolle zum Einsatz. Ich positionierte das Paddel und setzte zum ersten Versuch an. Der hatte aber nicht funktioniert. Ich dachte mir: „Ok, kann passieren, nochmals!“ Etwas zu hastig setzte ich zum zweiten Versuch an, welcher mir auch wieder missglückte. Beim dritten Versuch rutschte mir das Bein aus der Schenkelstütze. Folgender Gedanke schoss mir durch den Kopf: „Sch….., jetzt heisst‘s schwimmen!“ Auf der Ötz eine nicht sehr angenehme Erfahrung. Nach dem Katarakt war es zwar relativ ruhig, trotzdem war die Strömung ziemlich stark und es ging ein paar hundert Meter, bis ich draussen war. Obwohl mir meine Kameraden sofort zu Hilfe eilten. Kurz bevor ich im sicheren Kehrwasser war, schlug ich mit dem rechten Oberschenkel an einem Stein auf, welcher mir eine Prellung verpasste, die mich die restlichen Tage noch begleitete.
Nach abgeschlossener Rettungsaktion ging es dann wieder weiter, aber irgendwie fühlte ich mich nicht mehr wohl im Boot. Es kam mir vor, als würde mein Hintern im Boot herumschwimmen. Auf den nächsten paar hundert Metern kenterte ich dann auch noch zweimal, konnte aber jeweils im zweiten Versuch eskimotieren. Glücklicherweise war ich mit ausgesprochen erfahrenen Paddlern unterwegs, die sofort erkannten, dass mit meiner Sitzposition etwas nicht stimmte. Das serienmässige Sitzkissen verschafft zwar einen besseren Überblick und man sitzt bequemer, jedoch erhöht es auch den Schwerpunkt des Bootes. Im meinem Fall war das auf einfacheren Flüssen auch kein Problem, aber im wuchtigeren Wasser war dadurch das Boot schwieriger zu kontrollieren und auszubalancieren. Nun beim nächsten grösseren Kehrwasser hielten wir nochmals an und entfernten das Kissen, danach ging‘s weiter, sofort spürte ich die bessere Kontrolle über das Boot.
Langsam konnte ich den Fluss auch geniessen. Ich war zwar immer noch ein bisschen nervös, aber fühlte mich sicherer, was sich auch auf den Fahrstil auswirkte. Der Fluss ging mit schönen Schwallstrecken weiter bis zur Waldschlucht. Ein Abschnitt, der - wie es der Name sagt - durch den Wald führt. Es ist einer der technisch schwierigeren Abschnitte und wenn man mal drin ist über das Ufer kaum noch zu verlassen. Deshalb entschied ich mich, diesen Teil zu umtragen, da ich der am wenigsten versierte Fahrer der Gruppe war (schliesslich soll man das Glück ja nicht zu sehr herausfordern :-)). Nach der Waldschlucht ging es dann wieder vereint weiter bis zum Brunauer–Wehr. Dies ist ein künstliches Wehr mit einem grossen Rücklauf und dadurch unfahrbar. Das Wehr dient als Geschiebebremse. Man kann die Stelle aber sehr gut umtragen und gelangt über eine Steinrutsche wieder bequem ins Wasser. Ein paar hundert Meter weiter kommt die nächste schwierigere Stelle der Unteren Ötz – ein Katarakt namens «Konstrukta». Mehrere aufeinander folgende mächtige Walzen, bei denen man sich aber auf der rechten Flussseite gut hinunterschummeln kann. Ich war aber bei meiner ersten Befahrung so auf meinen Vorfahrer konzentriert, dass ich ausser bei der Anfahrt ein grosses, mächtiges Ding gar nichts davon gesehen habe.
Nun war der schwierigste Teil überwunden. Jetzt kamen noch einige Schwallstrecken bis zum Ausstieg in Haiming, wo auch Fredi zu uns stiess. Nach dem Kleider wechseln gab es das wohl verdiente Feierabend-Bier und eine Kaminwürze (eine Art Landjäger-Wurst mit Beilagen und Brot).
Zurück auf dem Campingplatz ging es nach dem Duschen zum Abendessen in die Pizzeria Del Piero, wo wir den Abend gemütlich ausklingen liessen und das Programm vom nächsten Tag planten.
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IMAG0430Wir teilten uns am Freitagmorgen auf, Dani, Geri und Marc gingen zum Klettersteig vom „Stuibenfall“ ein grosser, bekannter Wasserfall dieser Region. Die versierten Kletterer bezwangen den schönen Steig im Nu. Fredi, Oschi und ich gingen auf die Imster paddeln. Ein mittelschwerer Flussabschnitt (WW 3) vom Inn. Einiges einfacher als am Vortag, für mich gerade richtig, da sich der Körper noch mit ein paar Muskelverspannungen vom Vortag bemerkbar machte. Die Strecke führte durch ein schönes Panorama in die Tiroler Bergwelt wie auch auf der Unteren Ötz.
Nach abgeschlossener Fahrt trafen wir uns zusammen mit den drei „Kletterern“ in Ötz. Die fitteren Paddler machten noch eine Fahrt auf der Unteren Ötz mit Sam, der nachmittags anreiste. Jedoch kürzten sie die Strecke ab und booteten unterhalb der «Konstukta» aus.Bevor es zurück auf den Campingplatz zum Duschen und Abendessen ging, gönnten wir uns noch ein Bierchen in unserem durch das charmante Servicepersonal liebgewonnene Gartenrestaurant in Haiming.
Schon war Samstagmorgen und die Gruppe fing an sich aufzulösen. Oschi verabschiedete sich von uns. Er hatte sich im Engadin als Safety-Kayaker mit einer Raftinggruppe verabredet. Nach dem Frühstück machten sich Sam, Gere, Dani und Marc auf um die Köfelser Strecke zu befahren (WW 4-5). Ein schneller Abschnitt mit sehr technischem wuchtigem Wildwasser. Aufgrund des hohen Wasserstandes entschieden sich dann Dani und Geri die Strecke doch nicht zu fahren.
Nachdem Marc und Sam zurück waren, machten wir uns alle gemeinsam auf um die Untere Ötz zu befahren. Jedoch booteten wir gestaffelt ein. Sam, Gere, Marc und Dani gingen beim offiziellen Einstieg los. Ich stieg unterhalb der Waldschlucht ein und Fredi bootete bei der «Konstrukta» ein. Ohne besondere Vorkommnisse genossen wir die Fahrt bis nach Haiming.
Imster_108Nach dem krönenden Abschluss-Bierchen verabschiedete sich Sam dann auch von uns und machte sich auf den Heimweg. Im Eifer des Gefechts vergass er die Paddelklamotten mitzunehmen, die er neben seinem Wagen zum Trocknen platziert hatte. Zum Glück bemerkten wir dies und konnten diese einpacken.Wieder auf dem Campingplatz zurück, gingen wir gemeinsam Abendessen und gingen für unsere Verhältnisse frühzeitig schlafen. Alle waren von den körperlichen Anstrengungen der letzten Tage etwas erschöpft.
Über Nacht überraschte uns Petrus noch mit einem kleinen Unwetter, es fing an zu regnen und es kam ein unheimlich starker Wind auf. Er rüttelte so stark an meinem Zelt, dass ich mitten in der Nacht erwachte und in einem windschwachen Moment mein Zelt mit einigen zusätzlichen Heringen sicherte. Ironischerweise flaute das Unwetter wieder ab, als ich mich wieder im Schlafsack eingekuschelt hatte. :-)
Am nächsten Morgen hiess es dann auch für uns zusammenpacken und aufräumen. Der Tirol-Trip neigte sich langsam dem Ende zu. Nachdem wir alle abfahrbereit waren ging es nach Landeck für eine Abschlussfahrt auf der Sanna (WW 3). Dies ist ein sehr schöner, schmaler Fluss, der teilweise schluchtähnlich verläuft. Wir fuhren die Strecke oberhalb von Pians bis nach Landeck.Imster_111 Der Wasserstand war zwar eher tief, aber trotzdem lohnenswert für eine Befahrung. Der Fluss hat durch die grossen Hochwasser in den vergangenen Jahren einige Veränderungen erlebt, zum Beispiel bei einer seiner Schlüsselstellen – dem „schiefen Eck“. Die Sanna macht dort fast eine 90o Grad Rechtskurve. Früher erschwerten dort riesige Felsblöcke die Durchfahrt. Heute ist von diesen Blöcken nichts mehr zu sehen. Man muss zwar immer noch aufpassen, sollte die Stelle nicht unbedingt auf der linken Seite passieren, denn dort wird man von Walzen überrascht.
Die nächste Schlüsselstelle war der Pianer Schwall. Dani fuhr vor mir, ich holte aber schnell auf. Nachdem wir gleichauf waren sagte er zu mir: «fahr nur vor». Ich dachte mir nichts dabei und ging an ihm vorbei. Ich achtete auf den Verlauf der Hauptströmung und die für mich am einfachsten fahrbare Linie. Die Strömung zog von rechts nach links.
Rechts der Hauptströmung war es ruhiger, deshalb entschied ich mich dieser Linie zu folgen. Jedoch gab es dort auch einen kleinen Abfall mit einem Rücklauf den ich erst im letzten Moment noch gesehen hatte. Mit einem Boofschlag konnte ich mich gerade noch vor einem unangenehmen Waschgang retten.
Beim Ausstieg in Landeck angekommen, kehrten wir für ein kleines Mittagessen beim früheren Tiroler Stammlokal des Kanu Club Murgenthal ein. Dort hatte sich auch der Campingplatz befunden, den wir für die früheren Tirol- Reisen aufsuchten. Leider musste dieser zwei riesigen Wohnblocks weichen.
Nach dem Essen hiess es definitiv Abschied nehmen vom Tirol um nach Hause zu fahren. Es war ein superschönes Wochenende gewesen. Wir hatten gutes Wetterglück, durften schöne Flüsse und Landschaften sowie die nette Gastfreundschaft von Österreich geniessen.
Hoffentlich beehren wir das Tirol bald mal wieder mit einem Besuch.
Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 22. Juli 2011 um 10:16 Uhr