Slowenien Ostern 2011 Drucken
Geschrieben von: Fredi Moor   
Donnerstag, den 21. Juli 2011 um 14:02 Uhr

Osterreise des Kanu Club Murgenthal nach Slowenien.

Späte Ostern sind für die Aktiven des Kanu Club Murgenthal immer ein Anreiz, in den Süden zu fahren und sich bei hoffentlich schon angenehmen Temperaturen zum ersten Mal in der Saison auf das Wildwasser zu wagen. Noch im tiefen Winter haben wir die Soča in den slowenischen Alpen als Ziel für die diesjährige Osterreise ausgewählt. Erwartungsvoll und durch das gute Wetter bestens motiviert nahmen Silke, Dani, Ivano, Reto, Roy und Fredi am 19. April 2011 den langen Weg über Mailand, Udine nach dem slowenischen Städtchen Kobarid unter die Räder. Am 22. April stiessen noch Gere, Oschi und Alex zum KCM-Lager.
IMG_1003Zwischen Zaga und Kobarid gräbt sich die Soča zuerst in eine Schwemmlandebene ein um anschliessend in einer tiefen Schlucht einen Bergzug zu durchbrechen. Dieser Abschnitt bietet mehrere Etappen mit abwechslungsreichem Wildwasser im mittleren bis hohen Schwierigkeitsgrad. Klar und türkisblau leuchtend rauscht der Fluss durch sein mit grossen, weissen Kalkblöcken durchsetztes Bett. Nach jedem Abfall tanzen die Luftblasen durch das blaugrüne Nass, fast an Mineralwasser erinnernd. Das Alles sieht für das Auge des Kanuten wunderbar verlockend aus, erweist sich aber bei der Befahrung meist als schwieriger als vorher vom Ufer aus eingeschätzt.
Zum Angewöhnen wurde am ersten Kajaktag die Friedhofstrecke auf das Programm gesetzt. Diese Etappe wird nicht etwa so genannt, weil es da besonders viele, schlimme Kajakunfälle gab, sondern weil sie beim Friedhof von Trnovo ob Soči endet. Sie ist im Gegenteil nur mässig schwierig und eignet sich ideal für den angestrebten Zweck des Einfahrens. Alle erreichten den Friedhof mit aufgefrischten Refl exen und dank dem herrlichen Fluss in bester Laune. Dani, Ivano, Roy und Reto entschieden sich sogar, erst unterhalb der nachfolgenden, schwierigeren Slalomstrecke auszubooten. Am nächsten Tag mussten die Kajaks zum ersten Mal für die sogenannte Abseilstrecke leider nicht bequem abgeseilt, wie man auf Grund des Streckennamens meinen könnte, sondern über gut 200 Höhenmeter auf einer an mehreren Stellen luftig, ausgesetzten Schwellentreppe in die Schlucht hinunter getragen werden.IMG_1011 Da brauchte es anschliessend zuerst eine Verschnauf- und Trinkpause, bevor man sich den Herausforderungen des Wildwassers stellen konnte. Gleich nach dem Start legt die Soča mit ziemlich Gefälle und grossen Felsblöcken zünftig los. Heute war sie zu einem Spässchen aufgelegt und lud zum Bade. Diesem Angebot konnten zwei Kameraden nicht widerstehen. Coach Ivano und Kommandant Dani hatten jedoch die Lage jederzeit im Griff und alle erreichten die Ausbootstelle beim Zeltplatz in Kobarid mehr oder weniger nass aber unversehrt.
Am Karfreitag wurde den Neuankömmlingen Gere, Oschi und Alex kein Einfahren zugestanden. Sie mussten gleich die Boote hinuntertragen und sich mit der übrigen Gruppe auf der Abseilstrecke bewähren. Obwohl durch die Ereignisse des Vortags gewarnt, wurde die Gelegenheit zum unfreiwilligen Schwimmen im schönen Wasser der Soča wieder mehrmals wahrgenommen. Die KCMler waren jedoch bei weitem nicht die Einzigen, welche den Kapriolen der Soča ihren Tribut zollen mussten. So gab es über die Tage immer wieder herrenlose Boote oder Paddel anderer Gruppen zu bergen. Ohne Probleme in Kobarid angekommen, hatten Alex und Oschi noch nicht genug. Sie liessen sich vom Teamsenior noch die Slalomstrecke zeigen.
IMG_1027In den folgenden Tagen formierte sich, unter Berücksichtigung von Schwierigkeit und Ansprüchen der angesagten Wildwasserstrecke, immer auch eine Zweierseilschaft, welche die verschiedenen Kletterrouten um Kobarid auskundschaftete.
An Ostern wagten sich Dani, Gere und Oschi in die grosse Schlucht. Dieser schwierigste Abschnitt der Soča ist mit unübersichtlichen, hohen Stufen und Siphons durchsetzt. Die Drei kamen mit dem Schrecken davon. Oschi wurde von einem überraschend auftauchenden Saugtrichter gepackt, unter Wasser durch den Tunnel zwischen zwei Blöcken gezogen aber zum Glück auf der anderen Seite heil wieder ausgespuckt.
Am Ostermontag fuhr die Kajakfraktion das Tal hoch zum Fuss des Predel Passes, um einen Zufl uss der Soča, die Koritnica, zu paddeln. Die Koritnica ist ein kleines Flüsschen mit kaltem Karstwasser, welches eine abwechslungsreiche Waldschlucht durchfl iesst. Unmittelbar vor der Mündung in die Soča bilden drei kurz aufeinanderfolgende Stufen die wildwassertechnisch interessanteste Stelle dieser Etappe. Sie wurde von den einen mit schneidiger Technik und von den andern mit Schwung gemeistert. Nach sechs sonnigen Tagen wurden unsere Zelte gegen Abend durch einen kurzen, kräftigen Regenschauer geprüft. Sechs Stoffbehausungen haben bestanden. Eine musste in die Kategorie Tropfsteinhöhlen umgeteilt werden.
IMG_1163Als Abschlussfahrt zogen wir schliesslich am Dienstag nochmals eine möglichst perfekte Linie durch die Abseilstrecke.
Die Vertrautheit mit dem Wasser, das Bootsgefühl und die Refl exe waren von Tag zu Tag besser geworden. Einzig das schweisstreibende Hinuntertragen der Kajaks von der Strasse in die Schlucht hatte auch nach viermaligem Erdulden nichts an Beschwerlichkeit eingebüsst.
Am Abend haben wir jeweils die verbrauchten Kalorien in den mit gesunder, mediterraner Kost und lokalen Spezialitäten aufwartenden Restaurants unseres Standorts Kobarid wieder nachgefüllt. Dieses Jahr hat sich das „Topli Val“ in sehr guter Form präsentiert. Der allgemein schon überzeugende Eindruck wurde vor allem bei der schon etwas gesetzteren Garde durch ein Gläschen des verdauungsfördernden, blaugrünen „Sočawassers“, einer Spezialität des Hauses, noch erheblich gesteigert.
Nur allzu schnell waren die Ostertage vorbei. Optimal eingefahren und voller schöner Erinnerungen an die einzigartige Soča, eine herrliche Gegend und gastfreundliche Slowenen haben wir am 27. April die Rückreise in den Aargau angetreten.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 22. Juli 2011 um 07:43 Uhr